"In Dir muss brennen, was Du in anderen entzünden willst" (Hl. Augustinus)
Dean Ladwig war mehr als der Gründer eines "dotcom-Unternehmens". Er war ein Pionier des deutschen Internets. Kenntnisreich und voller Esprit hat er jedem, der ihm begegnete, etwas besonderes geschenkt: Zündende Ideen.
Für uns war er natürlich noch viel mehr - Freund, Sinnstifter, Motor. Er war bestimmt nicht väterlich, aber er ist der Vater unseres Unternehmens. Er hat jedem von uns "sein Baby" ans Herz gelegt. Und wir haben es gerne angenommen. Wir sind durch ihn und mit ihm eine Familie geworden, die zusammen durch dick und dünn geht. Auch in diesen schweren Tagen. Er würde uns "was erzählen", wenn wir sein Kind vernachlässigten.
Dean sprühte Funken, schlimmer noch: er war ein Brandstifter. Meine erste persönliche Begegnung mit ihm war im Mai 1999 während einer Messeparty auf der Internet World in Berlin. Ich war mit meinem damaligen Job nicht mehr glücklich. Das übliche halt: keine Entwicklungsmöglichkeiten, nur noch Routine, keine Herausforderung. An jenem Abend begegnete ich meinem Meister.
Mein Mann stellte mich Dean Ladwig vor. Mir gegenüber stand ein junger Mann, normal groß, eher schmal gebaut. Auf den ersten flüchtigen Blick nicht besonders auffällig, aber da war etwas ungewöhnliches. Es waren seine Augen, die glitzerten, ein süffisant-amüsiertes Lächeln. Sehr wach beobachtete er alles und jeden. Nicht als Voyeur. Auch sehr gutes Zuhören war ein Bestandteil des Beobachtens. Es schien, als ob er alles in sich aufnahm und zu neuem zusammenfügte und gab das Ergebnis über seine Augen wieder. Wir unterhielten darüber, ob es eine ethische Form von Unternehmensführung und Geschäftsprozessen gäbe, welche Maßstäbe man ansetzen sollte. Das Gespräch war tiefgründig und äußerst anstrengend, doch scheinbar hatte ich mich in seinen Augen tapfer geschlagen. Er sagte, er habe vor, die Welt zu erobern, er brauche dafür einen tüchtigen Feldwebel, der die Truppe, das Lager und die Moral in Ordnung hält. Er benötige jemanden, der ihm den Rücken freihielte.
Dean ging selten den direkten Weg. Dazu war er zu kompliziert. Aber er arbeitete gerne mit plastischen, anschaulichen Bildern, stellte sie in den Raum und ließ sie auf seinen Gegenüber wirken. Er legte auf diese Weise gerne Köder aus. Ich habe den Köder damals geschluckt. Er steckte mich an, seine Visionen wurde zu einem integralen Bestandteil meiner eigenen.
Im Laufe der Jahre entstand eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit, aus der eine von hoher Wertschätzung geprägte Freundschaft wuchs. Immer wieder hatte ich das Vergnügen zu erleben, wie Dean mit seinen inspirierenden Gedanken Feuer bei anderen entfachte. Oft war dem einen oder anderem der Ursprung mancher Entwicklungen gar nicht mehr bewusst. Aber das war auch nicht so wichtig. Dean war Löwe. Dieses Sternzeichen ist bekannt dafür, das im Mittelpunkt Stehen zu genießen. Im Gegensatz zu seinen "Artgenossen" fand Dean es jedoch wichtiger zu wissen, den Mittelpunkt zu bilden.
Jeder von uns trägt die vielen Funken weiter, die Dean Ladwig hat überspringen lassen. Er hat uns reich beschenkt: dem Feuer für sein Unternehmen wird der Nachschub nicht ausgehen. Und dieses Feuer wird unser Mittelpunkt bleiben.
Franciska Stache

